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07.06.2012: Anreise + Empfang in Chantilly bei Paris

08.06.2012: Bilderrallye und Tag auf der Rennstrecke

08.06.2012: Abendempfang, Pferdeshow und Dinner

09.06.2012: Parade in Chantilly und Concours vor dem Schloss

09.06.2012: Galaabend im Schloss Chantilly in der Sammlung Condé

 

Bilder: Karl Steiner

Bericht: Richard Purtscher

 

Ich habe nichts gewonnen, fast alles versemmelt und doch fühle ich mich als Sieger!! So einfach könnte man das Endergebnis meiner Teilnahme an der Porsche Parade in Chantilly darstellen.

 

Voll motiviert, mit dem schönsten Porsche der Welt (no na) anreisend, das Programm vor Augen mit vielen Bewerben, die ja nicht so schwer sein können, um nicht als Sieger hervorzugehen. Die angekündigte Bildersuchfahrt ist doch Babyzeug, das finden wir alles und sind vorne. Die paar lächerlichen Wissensfragen über Porsche sind abgespeichert und beim Schätzen eines Achsteiles vom Cayenne bin ich sowieso am Gramm genau dort. Soviel Gefühl hat man einfach zu haben. Ach ja, den Slalom am Michelin Reifenprüfgelände mit dem neuen Boxster S, an dem die anderen sowieso nur als Statisten teilnehmen, erwähne ich nur so nebenbei, weil beim Slalomfahren war ich noch nie zu biegen! Und schlussendlich der Concours d´Elegance… Hallo Leute: Carrera 2,7 BJ 1974, alles original außer Lack! Jede Schraube da wo sie hingehört. Wer soll meine geminiblaue Prinzessin beim Schönheitswettbewerb schon schlagen? Die Organisatoren wollten im Vorfeld schon Bilder zur Beurteilung haben. Warum rufen die nicht alle an und geben den Gewinner ganz einfach bekannt?

 

Eigentlich war für mich nur mehr die Frage, wie verstaue ich alle Trophäen in meinem Porsche? Gekommen ist, wie ich inzwischen schmerzlich zur Kenntnis nehmen musste, natürlich alles völlig anders!

 

Vom Hotel La Dolce, in dem wir bestens von den Organisatoren empfangen wurden, wo wir unsere Freunde aus ganz Europa begrüßten und wo wir einen tollen Empfangsabend mit allerlei Begrüßungsreden erlebten, ging es am Freitag morgens zur Bildersuchfahrt. Ich am Beifahrersitz, das Roadbook interpretierend, verpasste wegen der tollen Ausblicke in eine unglaublich malerische Landschaft natürlich die ersten Motive der Bildersuchfahrt. Mein Fahrer (eine bekannte Größe in der Österreichischen Clubszene) tat das seine noch dazu, indem er mit Überzeugung meinte, dass die Bilder natürlich in der Reihenfolge wie abgedruckt auch im Ablauf der Strecke auftauchen werden. Wie sagt man so schön auf gut Wienerisch: versemmelt, in allen Bereichen. Pokal ade! So konnten wir uns wirklich auf die Gegend und vor allem die Streckenführung konzentrieren. Im 997 eigentlich eh die bessere Option! Den Wissenstest haben wir dann mit Hilfe des Internet bestens beantwortet und den Achsteil des Cayenne sogar bis auf 200 Gramm genau geschätzt (dürfte auch zu wenig gut gewesen sein!), aber siehe oben: versemmelt ist versemmelt! Ende der wirklich beindruckenden Fahrt durch die Picardie war das Reifentestgelände der Fa. Michelin. Nach bestem Mittagessen ging es in kleinen Gruppen an das Fahrprogramm. Das Oval mit seinen Steilkurven, das irgendwie Indy 500- Charakter vermittelt, imponierte schon beim Ankommen. Einschüchternd wirkte es dann, als der erste Teilnehmer im 991S mit Vollgasgetöse vorbei rauschte. So wich ich diesem Bewerb vorsichtiger Weise einmal aus und wählte die (welche Fehleinschätzung) augenscheinlich geruhsamere Möglichkeit mit dem Panamera S das Oval auf einer Nürburgring ähnlichen Streckenführung als Beifahrer zu umrunden. Das kann man doch sicher genießen. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass es mittlerweile zu regnen begonnen hat und dass der Testfahrer den Begriff genießen nicht in seinem Sprachschatz hat.

 

Ein zwei Tonnen Auto, wenn auch mit Vierradantrieb und vier Personen versehen, so im Regen mit bis zu 210km/h bewegen, rang allen Insassen Ergriffenheit ab. Kuppen, die in Senken endeten, wurden übersprungen und der Porsche zusammengestaucht, dass es nicht für möglich gehalten wurde. Seitenkräfte (ahnungslos bei dem was folgte, sag ich das trotzdem hier an dieser Stelle….) im Regen wurden aufgebaut, die vermuten lassen, dass da Reifen am Werken sind, die man nicht im Laden bekommt. Der Testpilot quittierte diese Vermutung nur mit einem milden Lächeln. Alle Serie!!! Nachdem das Blut wieder überall dort war, wo es hingehört und mein Selbstvertrauen wieder vorhanden war, ging es endlich zum Slalom, den ersten Pokal abholen. Leider regnete es noch immer in Strömen, aber das ist mir wurscht, weil der Porsche macht eh alles selber. So dachte ich, aber nicht mein Beifahrer, der vor mir dran war! Der Wahnsinnige hat alle elektronischen Helfer ausgeschaltet und ich habe mich schon gefragt, was der zusammenfährt. Fragen hätte ich mich (vor dem Start) müssen, was hat er ausgeschaltet? In der Gewissheit, dass die Elektronen schon helfen, ging es beherzt zu den ersten Pylonen. Ging auch recht lange gut und ich war viel schneller als der Komiker vor mir. Bis es auf die lange Gerade ging. Da macht man jetzt echt mit Vollgas Meter - wäre das PSM nicht ausgeschaltet gewesen. Der Boxster S kam quer und eingefangen nach mehrmaligen Pendlern habe ich ihn zum Glück ganz knapp vor dem ungefähr 150m weit entfernten nächsten Slalomtor. Meter machen war Geschichte und der Traum vom Pokal? Versemmelt! Durch eigene Schuld. Sicher nicht, der Komiker vor mir hat ja…! So frustriert, war nun Zeit, 991S mit DSG (neidische Menschen haben die Abkürzung für DodelSicheresGetriebe erfunden!) zu probieren. Erster Versuch im Regen. 230km/h, die Gewissheit, dass bei einer Steilheit der Kurve von gefühlten 85 Grad es mit Sicherheit kein Aquaplaning geben kann, beruhigte. Auch die Fliehkräfte (nicht nur die des Porsches, sondern auch meine im Gehirn produzierten) hielten sich in Grenzen. Also alles halb so wild. Eine Stunde später, zweiter Turn. Fahrbahn trocken. Siehe oben – ahnungslos was kommen würde. Erstens habe ich nicht geglaubt, dass der Porsche mit DSG in etwas mehr als einer halben Runde auf 300km/h beschleunigt. Noch weniger habe ich geglaubt, dass der Porsche ohne Bremsen mit dieser Geschwindigkeit von seinem Piloten in die Steilwand eingelenkt wurde. Daher: das Blut wanderte bei 287km/h wieder in Gegenden, die nicht sehr nützlich sind, die Fliehkräfte zu beherrschen. Eine Ewigkeit von einer halben Sekunde später, in der ich für nichts garantieren hätte können (z. Bsp. Sauberkeit des Innenraumes…?) und der Konzentration des Blickes auf den Ausgang der Kurve kam der Genuss zurück. Unfassbar pfeilte der Porsche durch das Oval! Alle Soundklappen offen, welch ein Spaß, der aber, da ja mit mehr als 300km/h unterwegs, unglaublich schnell auch wieder vorbei ist. Unsere Europa Clubchefin Claudia stieg nach mir ein und quittierte ihre Steilwandfahrt lediglich mit den Worten: Ach schön, ich bin wieder zu Hause! Mir ist danach viel eingefallen. Z. Bsp.: Spinner, oder was macht der bei einem Reifenplatzer, oder ich bin noch nie mit einem Porsche 90 Grad zur Horizontalen an eine Leitplanke geknallt…... Diese Worte sind mir danach eingefallen. Aber niemals: Ach schön, ich bin wieder zu Hause! Trotzdem lieber Veranstalter, Danke für dieses Erlebnis, es entschädigte für viel. Das Versemmeln rückte für eine Weile in den Hintergrund…...

 

Am Abend haben wir dann unsere Frauen im Hotel getroffen. Die waren mit den Kreditkarten auf Shoppingtour in Paris. Ich kann nicht sagen, was uns mehr Angst eingeflößt hat. 210km/h im Regen, 287km/h in der Steilkurve oder eben diese Tatsache? Zum Glück war der Verkehr zu und von Paris sehr stark, sodass die Durchschnittsgeschwindigkeit des Busses weit von Porsche üblichen Möglichkeiten gelegen ist. Der Stau hat wahrscheinlich viele Familien vor dem finanziellen Ruin bewahrt! Kurze Zeit fürs Umziehen und noch schöner machen für die Abendveranstaltung, die im Pferdestall von 1719 (beinhaltet die Zahl 911 und verbindet PS mit uns…) des Schlosses Chantilly stattfand. Beginnend mit einer phantastischen Reitershow, vielen Ansprachen und endend im großen „Stall“ mit einem hervorragendem Abendessen (Champagner- und Weinqualität in Frankreich kommentiere ich nicht, echt überflüssig!) in einmaligem Ambiente ging bei geselliger Laune ein ereignisreicher Tag (ohne Pokal) zu Ende.

 

Aber es gibt ja noch den Samstag mit dem Concours d`Elegance im Schloss von Chantilly.Daher aufstehen um 6:15 Uhr! 2,7er zur nächsten Tankstelle bringen und putzen. Nach ca. 1400km Anfahrt doch möglicher Weise hilfreich, obwohl meine Prinzessin zum Sieg das nicht nötig hätte. Bis 8:30 alles erledigt. Da geht sich sogar vor der Abfahrt noch ein Frühstück aus. Im Konvoi vorbei an Fotografen und unter Polizeibegleitung zum Vorplatz des Schlosses. Aufstellung der schätze mal 170 Porsche Fahrzeuge zur Parade durch den Ort Chantilly. Irgendwie fiel mir da schon auf, dass es durchaus auch andere schön geputzte Prinzen gab. Z. Bsp. so ein von der Farbe sehr seltenes iceblaues SC Cabrio, neu aufgebaut. Aber mindestens 10 Jahre jünger als meiner. Der kann niemals….Oder ein gelber Turbo aus 1977, alles neu restauriert, nix original. Aber im Detail, naja, der soll s nur probieren… Oder ebenfalls nix original, aber viel älter als meiner, ein 911 in rot gehalten…..Die Erschütterung meines Glaubens an meinen 2,7er, dass beim Versemmeln diesmal nicht ich schuld sein werde kam so zögerlich am Horizont hervorgekrochen wie die Morgendämmerung. Dann, gemeinsame beeindruckende Fahrt durch das durchaus idyllische Örtchen Chantilly, natürlich immer mit Vorfahrt für unsere Porsche. Neuerliche Aufstellung und Begutachtung der Porsche Armada durch ihre Namensgeber. Ing. Hans Peter Porsche, Dr. Wolfgang Porsche und seine Prof. Claudia Hübner betrachteten wohlwollend die Einnahmequellen vergangener Zeiten (auch wenn noch so jung, wie z. Bsp. ein wunderschönes nagelneues Turbo S Cabrio mit einer Aufpreisliste, die für den Ankauf eines neuen Golf GTI leicht reichen würde, bezahlt sind alle!). Sie Plauderten gutgelaunt mit vielen Besitzern und man konnte irgendwie erkennen, dass da mit Stolz jemand über die Tatsache, dass ein Porsche nicht ganz einfach irgend wann einmal recycelt wird, sonder egal wie alt, von den Haltern erhalten, gepflegt und geschätzt wird, durch die Porsche Reihen ging. Die Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, natürlich Autogramme einzufordern, die bereitwillig gegeben wurden. Danke liebe Familie Porsche für diese Nähe zur Porsche Club Szene!

 

Mittagessen am Golfplatz ließ ich aus, weil durch die potenziellen Gegner die da aufgetaucht sind für meine Prinzessin, sollte ich doch noch ein wenig Glyzerin für die Reifen und Politur für Lack und Leder verwenden. Hunger hatte wegen der permanenten guten Küche ich auch nicht wirklich. Dann wurde es ernst. Neuerliches Aufstellen in der Auffahrt des Schlosses. Eindrucksvoll, dass Bild dass die natürlich blitzplank geputzten und gewienerten Porsche vor der Kulisse des Prachtbaues abgaben. Auch die Besucher des Schlosses, die mit der Parade nichts zu tun hatten, bestaunten die erlesenen Modelle aus fast sieben Jahrzehnten. Im Parallelprogramm lief die Schlossbesichtigung, die eine beeindruckende Bildergalerie, das Musée Condé, mit beinhaltete - mit Bummelzugfahrt und allerlei Informationen auch über die Spezialitäten der Gegenden. Mich interessierte mehr, was sagen die Juroren über die Cd`E Teilnehmer. Nach sehr langem Warten, wurde mein Carrera kurz angeschaut. Thats it? Ich dachte noch, na ja, die haben ja die Bilder vorher bekommen, eh alles klar. No problem. In Wahrheit genügt ja ein kurzer Blick… Die Siegerehrung findet dann ja am Abend beim Galadiner in Schloss statt, das hält halt die Spannung noch ein wenig für die anderen aufrecht. Nach Freigabe der Fahrzeuge, retour ins Hotel, wo ein wenig mehr Zeit zur Vorbereitung für die Abendveranstaltung mit den Siegerehrungen blieb.

 

Mit Bussen wurden wir in das Schloss Chantilly gebracht, wo Fanfaren uns mit Jagdmusik begrüßten. Im Eingangsbereich des Kastells wurden wir in einem architektonisch einmalig schönen Umfeld mit dem Aperitif und Fingerfood verwöhnt. Dann Ansprachen und Siegerehrung. Spannung, den letzten Pokal hol ich mit Sicherheit ab. Wie schon erahnt, leider nein! Der Turbo, der alte 911, das iceblaue SC Cabrio, aber vor allem das unglaublich schöne 356 A Speedsterchen haben mir auch das versemmelt. Ich gratuliere meinen Mitbewerbern und weiß wieder einmal wie ungerecht die Welt sein kann. Aber mir geht es auch danach wie vielen Porsche Besitzern: Ich habe trotzdem den schönsten Porsche der Welt. Und das zählt ganz einfach. Abschließend wurden wir zum letzten Programmpunkt der Porsche Parade 2012 gebeten. Einlass zum Galadiner! Riesen Erstaunen, denn die Bildergalerie, die am Tage noch besichtigt werden konnte, wurde zum Festsaal umgemünzt. Da hängen die Raffaels und die Davids herum, als gäbe es nicht anderes und der anwesende Hausherr, Sohn von Karim Aga Khan, erlaubt, dass inmitten von unschätzbaren Werten ein Festbankett abgehalten werden kann. Unglaublich. In der Porsche Disco im Keller des Schlosses nahm auch dieser Tag ein versöhnliches Ende an dem ich mich doch schon wieder als Sieger fühlte.

 

Denn wenn man mit so vielen netten Menschen Porsche erleben darf, so viel nicht alltägliches erlebt hat (siehe oben) und sich bewusst ist, wie viel Arbeit da hinter der Organisation für jeden Teilnehmer einer Porsche Parade steckt, dann bist Du ganz einfach Sieger, obwohl Du keinen Pokal gewonnen und fast alles selbst versemmelt hast!

 

Liebe Sandra Mayr, liebe Claudia Schäffner, vielen Dank dafür, dass Ihr so viel Weitblick habt, die Porsche Parade nur an außergewöhnliche Orte und gute Organisatoren zu vergeben! Möge diese Übung auch 2014 gelingen. Wir freuen uns schon darauf!

 

Herzlichst Euer, Richard Purtscher

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